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Blick unter die Oberfläche: Georadar-Untersuchungen in Friedberg geplant
Die sogenannten Prospektionen finden Ende der kommenden Woche (vrsl. 13. und 14. August) an zwei Standorten statt: in der Großen Klostergasse und in der Kaiserstraße. Diese Art geophysikalischer Verfahren bietet eine zerstörungsfreie Möglichkeit zur Untersuchung des Untergrunds mit elektromagnetischen Wellen. Bei der Befahrung der Testfelder soll festgestellt werden, ob sich diese Art der Erhebung für die Identifizierung und Lokalisierung unterirdischer Hohlräume eignet. Sollten die Untersuchungen erfolgreich sein, könnten somit weitere Befahrungen durchgeführt werden und wertvolle Ergebnisse für die geplante Umgestaltung der Kaiserstraße liefern. Die Testmessungen werden durch die Spezialisten von Posselt & Zickgraf Prospektionen aus Marburg durchgeführt.
Ein historisches Netz unter den Füßen
Seit langem ist bekannt, dass sich unter der Friedberger Innenstadt ein einzigartiges Netz aus Tiefkellern und Gängen befindet, das teilweise deutlich älter ist als die heutige Bebauung. Diese Strukturen sind aus historischer, archäologischer und denkmalpflegerischer Sicht von großer Bedeutung und Gegenstand zahlreicher lokaler Legenden, etwa über ein geheimes Wegenetz oder einen versunkenen Panzer in der Kaiserstraße.
Doch die beeindruckende Geschichte birgt auch Herausforderungen. So kam es jüngst zu einem kleineren Einsturz im Bereich der Großen Klostergasse. Bei Arbeiten im Zuge des Glasfaserausbaus öffnete sich beim Verdichten des Schotters plötzlich ein etwa 60 Zentimeter großes Loch. Verletzt wurde dabei niemand.
In einer gemeinsamen Untersuchung durch die Abteilung Tiefbau des Amtes für Stadtentwicklung, Liegenschaften und Rechtswesen unter Leitung von Herrn Tobias Schmidt sowie dem für die Wetterau zuständigen Kreisarchäologen Herrn Dr. Jörg Lindenthal wurde ein bislang unbekannter Tiefkeller festgestellt, dessen Eingänge offenbar seit Jahrzehnten verschlossen sind.
Ziel: Planungssicherheit für die Zukunft
Insbesondere unter der Kaiserstraße sind zahlreiche Kelleranlagen bekannt. Durch aktuelle Funde – wie zuletzt in der Großen Klostergasse – wird jedoch vermutet, dass es darüber hinaus noch weitere bislang unbekannte Hohlräume geben könnte. Im Zuge der anstehenden Neugestaltung dieses zentralen Stadtbereichs ist es daher notwendig, Lage und Zustand dieser unterirdischen Strukturen genauer zu erfassen. Nur so lassen sich spätere Einstürze vermeiden und eine langfristig tragfähige Planung sicherstellen.
Die Auswahl der Testfelder erfolgte gezielt: Die Große Klostergasse bietet die Möglichkeit, einen bekannten Hohlraum mit unklarer Ausdehnung zu untersuchen. In der Kaiserstraße (genauer: vor der Steinhauerpassage) liegt das Testfeld über einem in den 1970er-Jahren verfüllten Keller. Dort kann auf eine Sperrung verzichtet werden, was die Erhebung deutlich erleichtert.
Auswertung und weitere Schritte
Nach Abschluss der Messungen erfolgt die Auswertung durch das Fachbüro. Die Ergebnisse werden anschließend gemeinsam mit dem Projektteam zur Umgestaltung der Kaiserstraße, den beauftragten Planern sowie den zuständigen Denkmalfachbehörden gesichtet. Die Stadt Friedberg wird die Öffentlichkeit und die politischen Gremien auch weiterhin über den Fortgang informieren.
